Sebastian Sick betitelt einige von ihm geschriebene Bücher mit „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“. Angesichts meiner Überschrift wird mancher hoffen, dass er recht bekommt. Entweder man verheddert sich mit Zunge und Zähnen oder man duscht ungewollt sein Gegenüber. Eins ist damit aber (hoffentlich) gelungen: Sie lesen diesen Text, und mehr soll eine Überschrift eigentlich gar nicht bewirken.
Die Überschrift soll den Leser fangen, ihn neugierig machen, gleichgültig ob über „Oh, wie interessant!“ oder „Was für’n Quatsch schreibt der denn da?“
Und was soll das Ganze jetzt hier? Ich möchte Sie einfach nur neugierig machen auf das 3 Mal jährlich stattfindende Werden des Sektionshefts BERGisch. Nicht ganz ohne Hintergedanken, dazu aber später mehr.
Eigentlich ist der Job, das Heft für die Sektion zu machen, ein recht ruhiger. Alle vier Monate eine Ausgabe, dazwischen Warten auf das, was kommt oder (leider) auch nicht kommt.
Selbstverständlich ist da immer eine gewisse Grundspannung. Bei allem, was ich sehe und lese und was auch nur den geringsten Bezug zu alpinen Themen hat, frage ich mich, ob daraus ein Beitrag fürs Heft werden könnte. Wirklich passen tut’s nur selten, aber wenn, sind das kleine Glücksmomente. Allerdings ist das mehr eine persönliche Marotte von mir selbst, denn zur Aufgabe das Heft zu machen gehört das Schreiben eigener Beiträge nicht unbedingt dazu. Allenfalls das Zusammentragen von Informationen zu Rubriken wie „Berge im Fernsehen“ usw.
Im Wesentlichen besteht diese Saisonarbeit aus 2 etwas stressigeren Wochen direkt vor der Abgabe der Druckvorlage an die Druckerei und noch einmal weitere zwei Wochen davor aus dem Einsammeln der Beiträge von den jeweils Zuständigen der Sektion. Zugegeben, letzteres ist mitunter der schwierigere Teil. Da muss man schon mal mehrfach nachfragen oder drei Tage nach Redaktionsschluss telefonisch oder per Mail die Frage nach selbigem mit dem Hinweis beantworten, dass der ja schon verstrichen sei. Irgendwie schaffen es aber meist auch die Zu-spät-gekommenen ins Heft. Ein „Bestrafung“ erfolgt allenfalls durch ernste Worte von mir aber nicht durch das Leben.
Sind schließlich alle Inhalte und Bilder da, beginnt das Puzzeln. Ich habe ja so meinen eigenen Anspruch an das Heft. Da ist zuerst die ganz grobe Dreiteilung: vorn, gleich nach dem Vor- und Grußwort des Ersten kommen alle Programme, von den Vorträgen bis zum Seniorentreffen. Im Mittelteil sollen alle Berichte von Touren und sonstigen Textbeiträge ihren Platz finden. Das Schlussdrittel (natürlich nicht im seitenzählerisch mathematischen Sinne!) enthält dann Sektionsinterna, von der Begrüßung der Neumitglieder bis zur Selbstdarstellung des DAV-Treffs.
Das ist ja alles noch recht einfach zu handhaben. Etwas kniffeliger wird dann mein nächster Anspruch: Die Vermeidung von Schusterjungen und Hurenkindern. Nein, das ist weder etwas Unanständiges noch hat es etwas mit der Ausgrenzung von Randgruppen zu tun. Beides sind uralte Begriffe aus dem Buchdruck. Als Schusterjunge wird die erste Zeile eines Absatzes bezeichnet, die durch den Seitenumbruch verloren unten auf einer Seite hängen bleibt. Das Hurenkind ist das Gegenstück, also wenn die letzte Zeile eines Absatzes durch den Umbruch allein oben auf der nächsten Seite steht. Ich treibe das allerdings noch etwas weiter. Ich versuche sogar zu vermeiden, dass ein Beitrag mit einem kompletten kurzen Absatz gerade noch unten auf einer Seite anfängt oder oben endet. Da heißt es dann schon mal einzelne Beiträge oft hin und her zu schieben, in den Beiträgen kleine Kürzungen einzubauen, um einen Zeile einzusparen oder die Bildgröße so lange umzufummeln, bis alles passt.
Das ist die eigentliche Arbeit, für deren Erfolg man das Textprogramm, mit dem man arbeitet, in seinen hierfür erforderlichen Funktionen wirklich kennen muss. Anfangs habe ich dafür nach Feierabend oder an den Wochenenden viele Tage gebraucht. Inzwischen gelingt es mit meist innerhalb von zwei, maximal drei Tagen, wenn kein Nachzügler alles über den Haufen wirft. Hier liegt übrigens auch der Grund, für das hin und wieder mal im Heft auftauchende Edelweiß. Das soll nicht erinnern, dass wir ein ALPEN-Verein sind. Das soll lediglich nicht nutzbaren Platz halbwegs ansehnlich füllen.
Letzter Akt der Heft-Werdung ist dann das Korrektur-Lesen. Zwar kommen immer mehr Beiträge schon per Mail oder maschinenlesbar als Anhang. Der eine oder andere Text kommt aber immer noch klassisch auf Papier geschrieben und bei dessen Übernahme unterlaufen schon mal Tippfehler. Aber auch Formatierungen (also Einrückungen, fette oder kursiver Schriftsetzung) und Trennungen müssen Zeile für Zeile geprüft und immer wieder mal nachgearbeitet werden. Da habe ich aber inzwischen einen Helfer. Der ist auch dringend nötig, denn wenn man im Gesamtprozess die Texte wieder und wieder sieht und liest, wird man ganz einfach betriebsblind und sieht manche Fehler einfach nicht mehr.
Der Schlussakkord ist dann, das Heft in ein für die Druckerei brauchbares Format umzuwandeln, was aber, mit einem Mausklick gestartet, von der Textverarbeitung automatisch, schnell und richtig gemacht wird. Diese Datei dann per Mail an die Druckerei geschickt und schon ist wieder Ruhe für knapp vier Monate.
Nun aber endlich zu dem oben schon angekündigten Hintergedanken dieses Beitrags. Schließlich geht es mir nicht ausschließlich darum, Sie einmal hinter die Kulissen von BERGisch schauen zu lassen. Vielmehr verbinde ich mit dieser Arbeitsplatzbeschreibung die Hoffung, dass vielleicht jemand Interesse an dieser eher spannenden als belastenden Arbeit findet. Um es offen heraus zu sagen: Ewig will und werde ich das Heft nicht mehr machen. Inzwischen gehen hier in der Sektion Gummersbach 6 Jahrgänge, also 18 Hefte auf mein Konto. Zusammen mit den 10 Jahren und somit 30 Heften in der Sektion Bonn ist das schon eine ganze Menge und langsam gehen mir die Luft und die Lust aus. Es ist an der Zeit, einen Nachfolger für die Arbeit am Heft zu finden. Das muss nicht jetzt und sofort sein. Aber innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate sollte sich doch jemand zu finden. Dabei muss niemand befürchten, ins kalte Wasser gestoßen zu werden. Natürlich werde ich in einer Übergangszeit mit Rat und Tat zur Seite stehen. Folgende, zugegeben wenigen Voraussetzungen sollte man erfüllen: Spaß an der Sache, Besitz eines PC und Beherrschung einer Textverarbeitungs-Software. Alles Weitere findet sich von selber.
Wer meint, das könnte vielleicht etwas für sie oder ihn sein, kann mich ja gerne vollkommen unverbindlich (auch anonym) mal anrufen: 0228 / 251222 oder eine Mail schicken: f.weber@dav-gm.de
Frank Weber
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