Meine Freunde wunderten sich sehr, dass ich Kalymnos, dieses sagenhafte Kletterparadies in der Ägäis, noch nicht kannte. Besonders Noppes, der bei einem Kletterbesuch bei uns in Borghausen unsere Begeisterung für die Sinterfelsen – ja, wir haben tatsächlich einen kleinen Sektor in Borghausen, der stark versintert ist - erkannte, empfahl uns dringend einen Kletterurlaub dorthin. Und da wir gerade auf der Suche nach einem passenden Ziel für das nächste Kletterjahr waren, entschieden wir uns kurzerhand für die Ägäis.
Und wir haben es tatsächlich nicht bereut: Kalkkletterei vom Feinsten: Ob Sinter, messerscharfen Devonkalk oder Tropflöcher, hier scheinen sich die Felsstrukturen der besten Kalkklettergebiete Europas ein Stelldichein zu geben. Einmal eisenfester Verdonkalk, dann messerscharfer Schrattenkalk oder Sardinien live. Und die Krönung von allem sind die Sintersäulen und die überhängenden Grotten mit ihren bizarr geformten Stalaktiten.
Ob der guten Felsqualität klettern wir fast jeden Tag, bis nichts mehr geht. Die Unterarme dick, die Füße schmerzen und mit den Fingerspitzen können wir nichts mehr festhalten. Gut, dass es im örtlichen Kletterladen eine Salbe zur Pflege der Fingerkuppen gibt: Climb On, ein Extrakt aus dem Kernöl von Trauben und anderen Steinfrüchten soll nicht nur die Haut pflegen, sondern sogar zum schnelleren Nachwachsen der Haut sorgen. Wir haben Climb On reichlich genutzt, trotzdem war nach ein paar Stunden intensiver Kletterei der Akku leer und der Roller brachte uns an den Strand, um noch schnell im herrlich warmen Wasser, es ist Ende September und das Meer noch angenehm warm, zu Baden. Abends gibt es dann zur Belohnung griechische Küche mit viel Fisch und Salat. Und da wir über Noppes auch noch ein paar nette Kletterer kennen lernen, mit denen wir uns auch regelmäßig zum Essen verabreden, wissen wir auch, wann wieder ein frisch geschlachtetes Lamm auf dem Grill brutzelt. Vor allem Björn kann seine Vorliebe für Lamm nicht verhehlen. Simone und Constance sprechen lieber frischem Fisch zu (ich sowieso) und Heike dürfte für die nächsten 10 Jahre mit Tintenfisch bedient sein – oder auch nicht. Kranzi, Peter und Jörg essen sich durch die komplette Speisekarte, was bei Jörg schon einmal zur Folge hat (denn 14 Tage sind für die langen Speisekarten doch recht kurz), dass sich schon beim ersten Gang ein relatives Sättigungsgefühl einstellt!
Ein sehr schöner Sektor ist Kasteli. Direkt am Meer gelegen mit einer Vielzahl an mittelschweren Routen. Zum Aufwärmen wählen wir Scarabeus (5b) und Aaloaa (5a), um erst mal Gefühl für das Gestein zu bekommen. Dann folgt Damokles (6a) und Hocla (5c+), dessen Griffe nicht so positiv sind, als man erhofft. Eines der Zuckerstückchen ist Pilar of the Sea (6a+), dessen traumhafte homogene Linie uns onsight gelingt. Aber auch die benachbarten Routen wie Shy Talk (6a) oder Merci Brothers 6a (wahrscheinlich sind die Remy-Brüder gemeint, die hier wirklich viele schöne Routen hinterlassen haben) überraschen mit schönen Bewegungen.
Im Sektor Arhi versuchen wir uns das erste Mal ernsthaft mit den Sintersäulen und steigen in die Thetis (6b) ein. Immer wieder überraschen fette Henkel und die guten Spreizmöglichkeiten an einigen Stellen machen die Route zu einem vielseitigen Schmankerl. Die von unserem Freund Felix Meier aus Gadmen eingebohrten Touren (Swiss Kiss, 7a+, Grüne Feigen 7c) im Sektor Arhi heben wir uns aber fürs nächste Mal auf, dafür müssen wir nochmal ins Trainigscamp.
Unser persönliches Highlight erleben wir an unserem 10. und letzten Klettertag im Sektor Sea Breeze. Nach der Route Riranha (5c), wo man die Namensherkunft wörtlich nehmen kann, folgen Areas (6b+) und Sintro (6a+, Delicate, but its bite). Bevor nun die Leidensfähigkeit der Fingerkuppen erschöpft ist, steigen wir in die Route Sea Breeze (6b) ein. Und auf einer Länge von 37 m reiht sich ein schöner Kletterzug an den anderen an, die Route ist absolut homogen und für den Grad nicht allzu schwer, ein echtes Ausdauerproblem eben und mit 3 Sternen sicher nicht überwertet. Und für uns ein würdiger Abschluss einer schönen Kletterreise, die nach Wiederholung verlangt.
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