Bergrettung gegen Fußball WM

Ich gebe ja offen zu, als ich die Termine für die Bergrettungskurse festgelegt hatte, hatte ich nicht im geringsten an die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland gedacht. Und warum auch, ein echter Bergfreak läßt sich doch nicht von einem Ballspiel von seinem Bergsteigen abhalten. Sollte ich mich da vielleicht geirrt haben?

Jedenfalls bekomme ich reichlich Anmeldungen für die beiden Kurse Bergrettung Fels und Eis im Juni. Aber werden denn alle kommen, schließlich findet zur selben Zeit das Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica statt. Nicht besonders gut vorbereitet, die Arbeiten zur Kletterarena Sauerland beanspruchen den letzten Rest meiner knappen Freizeit, erscheine ich pünktlich im Elberskamp.

Ich bin beruhigt, alle gemeldeten Teilnehmer sind erschienen und stehen hochmotiviert zur Aufnahme der zig Knotenkünste bereit. 1:0 für’s Bergsteigen. Seilverlängerung, Schweizer Flaschenzug, Verletztenbergung und Schleifknoten: Ich mute mir und den Teilnehmern eine Menge zu!


Aber es klappt alles gut, wenn auch der Schweizer Flaschenzug erst nach mehreren Anläufen und mit der Skizze von Thomas perfekt aufgebaut werden kann. Zudem bereitet uns der Gardaknoten als Rücklaufsperre mit dem bockigen Seil einige Schwierigkeiten. Dabei stellt sich heraus, dass hierbei wichtig ist, dass die beiden Karabiner völlig gleich sind und auch genau nebeneinander liegen.

Bereits nach 5 Minuten, unser Kurs hatte zeitgleich mit dem Anpfiff des Fußballspiels begonnen, klingelt bei Franz das Handy. 1:0 für Deutschland und 1:1 Fußball gegen Klettern. Dany kämpft noch ein bisschen mit dem Schleifknoten (oder ist Dany ein verkappter Fußballfan und ist in Gedanken bei der Fußball-WM? ), aber beim zweiten Durchlauf der Seilverlängerung kommt Routine auf und der Knoten sitzt.

Das Handy klingelt wieder, 1:1.


Die Verletztenbergung: Die oder den Verletzte/n auf den Rücken wuchten, mit zwei Expresschlingen an sich fixieren und dann abseilen. Ich will sehen, ob Franz dann auch noch sein Handy zückt. Der Spaß bleibt mir verwehrt, wenn die Deutschen ein Tor schießen sollen, tun sie’s nicht. 2:1 für die Knoten.

Als Abschluss üben wir die Lose Rolle. Obwohl für die Spaltenbergung Umgebung und Temperaturen nicht ganz angemessen sind ( wir haben einen lauen Sommerabend mit angenehmen 28° C), ist an der unteren Stufe im Elberskamp die Möglichkeit, die Lose Rolle zu üben, gar nicht so schlecht.

Lediglich eines bereitet den Teilnehmern etliche Mühen, ein Loch für den T-Anker zu graben ;-))). Daher gehen wir später dazu über, den einbetonierten Stahlpfosten als Verankerung zu benutzen. Franz hängt gerade in der „Spalte“ und Heinz bemüht sich, ihn aus dem „kalten Grab“ per Loser Rolle zu befreien, da klingelt Franz‘ Handy: 2:1.

Trotzdem will er gerettet werden! 3:1 für die Lose Rolle!


Beim abschließenden Klettern der Routen „Langer Egon“ und „Schmittchen Schleicher“ bin ich mir jedoch sicher, dass keine Hand zum Griff ans Telefon frei gewesen wäre. Wenn auch vielleicht aus einem anderen Grund ;-))).


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